Wo der Stockfisch wohnt

Hoch im Norden, weit jenseits des nördlichen Polarkreises, gibt es ein Inselreich, das auf der Welt seinesgleichen sucht. Während in solchen nördlichen Breiten anderswo auf der Welt allenfalls eisige Wildnis herrscht, ist das Meer um diese Inseln dank des warmen Golfstroms ganzjährig eisfrei und an Land herrscht städtisches und ländliches Leben - fast wie bei uns mitten in Europa auch.

 

Die Grundlage dieser nördlichen Zivilisation ist ein Fisch. Der Stockfisch. Bretthart getrockneter Kabeljau, der dort in solchen Mengen gefangen und verarbeitet wird, dass er den Nordmännern seit Jahrhunderten Lohn, Brot und jetzt auch Wohlstand verschafft hat. Denn er hat Liebhaber in aller Welt von Japan über Italien, Portugal bis nach Brasilien - überall schätzt man das harte Wassertier als Delikatesse und zahlt mittlerweile gute Preise dafür.

Auf solchen Gerüsten wird der Stockfisch monatelang getrocknet. Die Gerüste sind de eigentlichen baulichen Wahrzeichen der Region

Wenn man sich aufmacht, sein Herkunftsgebiet zu erkunden, muss man aber nicht unbedingt ein Freund des Stockfischs sein. Dieser Bericht über diese unsere polare Inselreise kommt sogar ohne eine einzige Stockfischbegegnung aus. Stattdessen geht es um eine großartige Natur mit ihrer Formenvielfalt – tiefen Fjorden, nackten Felsen, strahlend weißen Stränden und einem tiefblauen Meer, das donnernd an den uralten Küstengebirgen nagt.

 

Inseln und Inselsinseln…

 

Die Inselwelt von Senja, Vesterålen und Lofoten ist mehr als eine Reise wert. Seit einiger Zeit ist es sogar möglich, sie mit dem Auto auf komfortable Weise zu erkunden. Alle größeren Inseln sind durch Brücken miteinander verbunden, lediglich die Passage von Senja nach Andenes auf Vesterålen erfordert eine zweistündige Fährfahrt. Der Rest ist Fahren, Wandern, Staunen, Bewundern und Erleben. 

In Tromsø, der Eismeermetropole, startet der Rundkurs und endet 14 Tage später ebenda. Die erste Station ist die Insel Senja, die als Geheimtipp gilt und von allen genannten Inseln  wohl die einsamste ist.

 

Senja und die Teufelskrallen

 

Der Eintritt in die Insel Senja ist frei, von der Stadt Finnsnes führt eine dieser himmelhohen Brücken, hoch genug um Ozeanriesen passieren zu lassen, auf die große Insel, die im Osten sanft beginnt, Im Westen aber in mehreren Landzungen mit wilden und zerklüfteten Felszacken endet. Man nennt sie „Teufelskrallen“, und jede dieser nahezu unzugänglichen Halbinseln besitzt solche Krallen. 

Die Felszacken von Tungeneset sind bezeichnend für die Nordwestküste Senjas

Dennoch gibt es dort auch kleine Ortschaften wie Senjahopen oder Melfordvær, die eine bescheidene Infrastruktur vorhalten und den Einheimischen eine wirtschaftliche Basis geben. Zentrum des Fischfanges und der Fischzucht  ist das Fischerdorf Husøy, das isoliert auf einer kleinen Fjordinsel liegt.

Die Fischerinsel Husøya

Wir haben die Halbinseln des Westens mit ihren Teufelskrallen, den stillen Fjorden, den weißen Stränden und den bildschönen Sonnenunter-gängen samt und sonders bei unterschiedlichen Wetterlagen bewundert und genossen. Nach drei Tagen Senja hieß es Aufbruch; nur noch zwei Tage war die Chance da, vor der langen Winterpause per Fähre auf die Vesterålen überzusetzen. Von Gryllefjord auf Senja nach Andenes auf Andøya braucht das Schiff knapp zwei Stunden, über Land mit dem Wagen wären es hingegen sechs bis sieben.

Die Segla - einer der charakteristischen Berge auf Senja

Die Inseln von Vesterålen

 

Andøya ist die nördlichste Insel der Region Vesterålen, die auch noch die Inseln Langøya, Hadseløya, einen Teil von Hinnøya und eine Vielzahl kleinerer Eilande umfasst. Gebirgig sind sie alle, im Norden aber sind die Berge niedriger, dazwischen findet man große Moorflächen und als besonderes Juwel einen blendend weißen, kilometerlangen Sandstrand, für den die Ortschaft Bleik berühmt ist.

Am Strand von Bleik kann es auch mal wild zugehen....

Dort kann man stundelang ausharren und dem Meer beim Branden zusehen. Am westlichen Horizont ragt die Insel Bleiksøya wie eine Haifischflosse in die Luft, auf ihr tausende von Seevögeln, die dort brüten und ihre Jungen aufziehen. Die Insel darf nicht betreten werden, nur Schiffsexkursionen ab Bleik oder Andenes erlauben eine vorsichtige Annäherung.

...oder gesittet...

Westlich von Andøya fällt der Meeresboden tief ab, ein bevorzugter Jagdgrund für Pottwale, die dort bis zu 3.000 Meter tief tauchen können und ihre Lieblingsspeise – Kraken und Tintenfische – in reicher Auswahl vorfinden. Da sie Säugetiere sind und durch Lungen atmen, müssen sie von Zeit zu Zeit an die Oberfläche, wo ihnen dann die Whale Watcher ihre Aufwartung machen. Die Walbeobachtung ist für Andenes Touristenattraktion Nummer eins. Eine Nummer zwei konnte ich allerdings kaum ausmachen - sieht man einmal vom "Norwegischen Weltraumzentrum" außerhalb des Ortes ab. Das Eindrucksvollste daran sind seine Eintrittspreise. Schlicht gesagt, wenn es in Andenes regnet und man nicht auf Whalewatchtour gehen mag, kann es dort verdammt langweilig sein. 

...oder ganz friedlich, wenn die Abendsonne Harmonie darüber gießt.

Ein Ausflug nach Langøya, der südwestlichen Nachbarinsel bringt da Abwechslung, zumal wenn das Wetter sich dort gnädiger zeigt und der Himmel dicht hält. Schöne Landschaft, bizarre Küstenlinien und viel Einsamkeit auch da, die zerklüftete und von Fjorden durchzogene Insel zeigt nur an ihrer Ostseite bei der Inselmetropole Sortland nennenswerte Besiedlung, der Rest der Menschen lebt verstreut in kleinen Weilern. Ganz Vesterålen zählt gerade mal 33.000 Einwohner auf gut 2.500 Quadratkilometern. (Auf jedem davon also statistisch 13 Leute, in Deutschland sind es 232, nur zum Vergleich.)

Ein (halb)verlassenes Haus auf Langøya

Verlockend die Weiterreise. Von Andenes aus den ganzen Vesterålen-Archipel von  von Nord nach Süd zu durchqueren – das ist schön. Am Ende der Fahrt aber dort zu landen, wo die Welt eine ihrer spektakulärsten und hinreißensten Landschaftsecken eingerichtet hat, das findet im Leben nur in Ausnahmefällen statt. Und dieser Ausnahmefall hat einen bewegenden Namen: Lofoten

Ein kleiner Vorgeschmack auf Lofoten

Die Reise nach Lofoten

 

Lofoten ist mehr als eine Gegend, Lofoten ist ein Schöpfungsakt, bei dem die Schöpfung in der Tat aus dem Vollen geschöpft hat: eine Inselkette, die sich über 200 Kilometer von Nordost nach Südwest erstreckt, gespickt mit Felszacken, Seen, Mooren und Traumstränden, die mancher Südseeinsel zur Ehre gereichen würden. Das Wasser ist freilich recht frisch und erreicht auch im Sommer kaum Badetemperatur.

 

Der Reisende aus dem Norden durchquert nach dem Verlassen von Vesteralen erst einmal die Insel Hinnøya, deren südöstlicher Teil bereits zur Region Lofoten zählt. Dort ist es still und dünn besiedelt. Dann erreicht man – den breiten Raftsund auf einer Brücke überquerend - die Insel Austvagøya und auf ihr  die Hauptstadt der Region, Svolvær.

Im Norden Austvagøyas gibt es bemerkenswerte amphibische Landschaften

Obwohl nur gut 4.000 Einwohner stark, tut das Städtchen wie eine Kapitale. Am Hauptplatz haben sich diverse Architekten versuchen dürfen, das Resultat ist ein Konglomerat aus ambitionierten Neubauten, zu groß für einen solchen Ort. Keine Harmonie trägt das Ganze, aber man sieht, hier ist Geld zuhause. 

 

Der Staat Norwegen steckt seine Öl- und Gasmilliarden in gigantische Tunnel- und Brückenprojekte. Die so ertüchtigte Infrastruktur erzeugt in allen Landesecken, auch den früher abgelegenen, Wachstum und Wertschöpfung. Auf der Strecke bleibt mancherorts das Augenmaß, das aus der Tradition schöpft. 

Das ist traditionell: sogenannte Rorbuer (Fischerhütten), heute vielfach als Ferienwohnung genutzt.

Aber als Reise- und Versorgungsstützpunkt ist Svolvær natürlich ideal. Wenn das Städtchen auch etwas aus der Fasson geraten erscheint, die Umgebung entschädigt. Nur wenige Kilometer weiter liegt Kabelvåg, der alte Hauptort der Kommune Vågan, zu der die Inseln Austvagøya und Gimsøya gehören. Weil sein Hafen Ende des 19. Jahrhunderts versandet ist, verlor Kabelvåg seine Bedeutung und der Nachbarort profitierte davon. Das hat Kabelvåg zwar wirtschaftlich geschadet, aber dafür weitgehend die Ursprünglichkeit eines lofotischen Fischerdorfs bewahrt. 

Mehr los ist einige Kilometer weiter, in Hennigsvær. Dieses Fischerdorf – das es immer noch ist – hat es geschafft, seinen ursprünglichen Charakter zu wahren und dennoch ein charmantes Touristenziel zu werden. Das liegt an der einzigartigen Lage, weit draußen auf einer Gruppe von Schäreninseln, und daran, dass man den Ortskern vor allzu massiven Modernismen bewahren konnte. Neubauten fügen sich harmonisch in die vorherrschende traditionelle Holzarchitektur mit ihren meist weißen Häusern ein. Henningsvær vereint seine Rolle als Museumsdorf, Künstlertreff und authentischem Fischereihafen mit Souveränität und Leichtigkeit. Ein Ort zum Wohlfühlen.

 

Von oben sieht das spektakulär aus: 

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Henningsv%C3%A6r#/media/File:Henningsvaer-2.jpg

Die Kaviar Factory in Henningsvær ist ein weithin bekanntes Kunstmuseum

Gleich hinter Henningsvær geht es über eine Brücke schon weiter auf die Nachbarinsel Gimsøya. Eine sehr kleine Insel, die dem Lofoten Golfclub ihr Gelände leiht und ansonsten nichts als Wiesen, Weiher spitze Berge und weißstrandige Küsten bietet. Für die kleine Insel ist das allerhand, aber man nimmt sie auf der Reise kaum wahr. Zu kurz ist die Verweildauer des Automobilisten, selbst umrundet ist sie im Nu.

Auf Gimsøya geht es recht beschaulich zu

Vestvagøya – Strände ohne Ende

 

Auf einer weiteren – wieder himmelhohen – Brücke geht es westwärts nach Vestvagøya. Diese Lofoteninsel ist das Stranddorado schlechthin. Während im Süden weitläufige Moorlandschaften das Bild prägen, säumen prachtvolle und zum Teil berühmte Strände die nördliche Küste. Berühmt, deswegen, weil weltweit gefragte Surfreviere darunter sind, wie zum Beispiel der Strand von Unstad. Hier treffen sich Wellenreiter aus aller Welt, natürlich alle in dicken Neoprenanzügen, denn das Wasser ist kaum wärmer als 12 Grad Celsius. 

Am Strand von Uttakleiv

Eine Halbinsel weiter westlich findet man das Kronjuwel der Strände von Vestvagøya, Uttakleiv; vorausgesetzt, man nimmt den Tunnel hinter dem weit weniger pittoresken, aber nahezu ebenso berühmten Strand von Haukland. Wer den Tunnel durchquert hat, landet an einem besonderen Ort. So besonders, dass sogar die Parkplätze bewirtschaftet sind. Das habe ich an keinem anderen Lofotenstrand erlebt. Uttakleiv ist geprägt von einem Felsenrund, davor schafskurz abgefressene Wiese – wie ein Golfplatz – dann ein blendend weißer Muschelsandstrand, durchsetzt mit mannsgroßen Granitbollen und algengrünen Felsplatten. 

In Uttakleiv ist Platz für alle

Da finden viele ihren Sehnsuchtsort, zumal auch das Campen dort üblich und erlaubt ist, wie in ganz Norwegen, vorausgesetzt man stört niemanden auf seinem Grund und Boden. Es herrscht „Jedermannsrecht“ im Lande.

Vestvagøya ist die am stärksten kultivierte Lofoteninsel, im Inneren geprägt durch Landwirtschaft und kleine Siedlungen. Die Inselhauptstadt Leknes ist Versorgungsmittelpunkt, jedoch kein gesuchtes Reiseziel. (Man fährt auf dem Weg durch Lofoten um das Städtchen herum.)

 

Aber es geht weiter, Vestvagøya mit seinen Superstränden liegt hinter uns. Wenn man glaubt, schöner könne es nicht mehr werden, wird man auf dem Weg nach Süden eines besseren belehrt. Zwar werden die Inseln nun immer kleiner, aber auch immer wilder und schöner.

Der Süden Vestvagøyas ist geprägt von eindrucksvollen Moorlandschaften

Flakstaøya und Moskenesøya – der wilde Süden

 

Die beiden Inseln gehen dermaßen ineinander über, dass man Mühe hat, seinen jeweiligen Standort der richtigen Insel zuzuordnen. Flakstadøya ist benannt nach dem Örtchen Flakstad, das allerdings nur wenige Häuser, aber eine weithin berühmte Holzkirche in Kreuzform zu bieten weiß. Flakstadøya hat grandiose Felszacken, tiefe Buchten, weiße Strände (Ramberg, Myrland) und idyllische Plätze, wie das Museums(fischer)dorf Nusfjord, das seit geraumer Zeit in Privatbesitz und nur gegen Eintritt zu besichtigen ist. (Kann man machen, muss man aber nicht). 

Der Weg nach Fredvang führt über zwei Brücken

Die Kommune Flakstad setzt sich jenseits des Sølfjords in dem Örtchen Fredvang fort, wo ebenfalls ein weißer Traumstrand namens Yttresand das Nordmeer begrüßt. Zwei Brücken sind notwendig, um diesen kommunalen Übergriff verkehrstechnisch zu bewältigen.

Die Europastraße 10, die den gesamten Lofotenarchipel durchzieht, macht sich hingegen weiter östlich auf ihre letzte Etappe gen Süden. Eine Brücke (himmelhoch, versteht sich) verschafft ihr Eintritt nach Moskenesøya, dem dramatischen Endstück der großen fährfrei verbundenen Inselkette.  Diese Insel besteht hauptsächlich aus Bergen und dazwischen eingeschlossenen Karseen. Eine einzige Straße verbindet die wenigen nennenswerten Orte Hamnøya, Reine und Å i Lofoten. 

Reine hat eine atemberaubende Insellage unter kahlen schroffen Felsen

Den Schönheitspreis verdient die „Inselkapitale“ Reine, deren 300 Einwohner auf einer Schäreninsel Platz finden und landwärts auf eine wilde Gebirgslandschaft blicken. Die besondere Lage von Reine wird nur von oben - vom Aussichtsberg Reinebringen - wirklich sichtbar. Da der steile und schwer begehbare Pfad auf den mehrere hundert Meter hohen Gipfel zurzeit gesperrt ist, muss man sich mit dem Anblick vom Internet aus begnügen.

Nepalesische Sherpas sind gegenwärtig damit beschäftigt, den Steig zu sichern und wieder begehbar zu machen.

 

Hinter Reine geht es zum letzten Örtchen, das sich kurz und bündig Å nennt und das Lofotische Fischereimuseum beherbergt. Bis hierher fahren auch alle öffentlichen Busse. So enden die gut 200 Straßenkilometer der Inselkette, der Reisende muss - will er an Land bleiben -  wieder zurück nach Norden in der Gewissheit, einen jener besonderen Erdregionen erlebt zu haben, von denen es nicht allzu viele auf unserer Welt gibt.

Zurück aufs Festland

 

Damit es ein Rundkurs wird, nimmt man von Å die Europastraße 10, die nach Durchquerung der von uns besuchten Lofoteninseln über die „Lofast“ genannte Straßenverbindung aufs norwegische Festland zurückführt. Dabei sind einige spektakuläre Brücken und Tunnel entstanden; erst seit 2007 können Autos ohne Fähre vom Festland auf die Lofoteninseln übersetzen. Die größten Hindernisse waren die Meeresstraßen Raftsund und Tjelsund, die gewaltige Brückenbauten erforderten.

Der Tjelsund ist die letzte Meeresstraße, die man Richtung Festland überquert ,

Verglichen mit den Lofoten fühlt sich das norwegische Festland entlang der E10 und später der E 8 beinahe brav an, obwohl auch dort die Gegend durchaus als schön, aber nicht aufregend zu bezeichnen ist. Man ist als Lofotenbesucher ja sowas von verwöhnt!

Die Lyngenalpen

 

Das ändert sich, wenn man auf dem Weg zurück nach Tromsø dem Wegweiser „Lyngsalpan“ folgt und den etwa 20 Kilometern entfernten Ullsfjord aufsucht. Jenseits dieses Fjords türmen sich die so genannten "Alpen" auf einer Länge von 90 Kilometern, die höchsten Gipfel über 1.800 Meter hoch. Das reicht für ewiges Eis auf den Höhen, die Gletscher grüßen auch im Sommer zu Tal und bilden ein eindrucksvolles Panorama.  „Touristisch sind die Lyngenalpen wenig erschlossen, werden aber dennoch von Bergwanderern und Extremskifahrern besucht“ schreibt Wikipedia, wir haben uns damit begnügt, sie vom Fjordufer aus zu bestaunen.

Die Norweger sind stolz auf ihr Land und seine vielfältigen Landschaften

Tromsø – zu wirklich guter Letzt

Tromsø ist die Eismeermetrople, hier ist alles das Nördlichste. Die nördlichste Universität, die nördlichste Bierbrauerei, die nördlichste Domkirche  und so weiter, kein Wunder, denn die Stadt liegt nahezu auf 70 Grad nördlicher Breite. Ihr Zentrum befindet sich auf einer Insel, die – überraschend – Tromsøya heißt. Diese Granitinsel trägt oben die Stadt und unterirdisch ein Tunnelsystem, das als Umfahrungsstraße und Parkkaverne für die vielen Kraftahrzeuge der Tromsøer und ihrer Besucher dient. Eindrucksvoll und teuer. Das gilt auch für die Parkgebühren.

Überall, wo hohe Berge und Meer zusammentreffen, hat die Erde ihre schönsten Ecken

Aber Tromsø ist nicht auf diese Felseninsel beschränkt. Das Stadtgebiet umfasst nicht weniger als 2.500 km2 also etwa gleich viele wie die gesamte Region Vesterålen. Über die Tromsøybrua gelangt man auf die Nachbarinsel Kvaløya, dort geht es viele Kilometer weit hinaus bis zu einem Traumplatz namens Sommarøya, wo die Einwohner Tromsøs ihre Sommerfrische haben, idyllisch und fast mediterran anmutend, wenn die Sonne scheint und die Temperaturen an die 20 Grad heranreichen, was schon mal passieren kann. Wir haben es jedenfalls erlebt.

Auf dem Weg nach Sommarøya

Tromsø ist das urbane Zentrum Nordnorwegens, hier läuft alles zusammen, was im Norden benötigt wird. Allein das Universitätsklinikum beschäftigt nicht weniger als 4.500 Menschen. Es hat einen direkten Anschluss an die E8, die das Hafengebiet unterirdisch durchquert. Der Flughafen bietet stündlichen Taktverkehr nach  Oslo und anderen Städten des Landes. Aber es gibt keinen Bahnanschluss, schwere Güter kommen per LKW oder mit den Schiffen der Hurtigruten in die Stadt. Die legen täglich an und bleiben auf dem Weg nach Norden sogar vier Stunden im Hafen liegen, was den Passagieren eine ausgiebige Stadterkundung erlaubt. Die Zeit reicht, um das Wichtigste zu sehen. Dann läuft das Schiff aus, im Richtung Endstation Kirkenes, die noch über 1.000 Kilometer weit entfernt ist. (sic!)

Abflug aus Tromsø

Norwegen ist ein großes, vor allem langes Land, seine Dimensionen sprengen vielfach unsere mitteleuropäischen Vorstellungen. Wir sind über 3.000 Kilometer über die besuchten Inselreiche gefahren und haben nach 14 Tagen zufrieden und randvoll mit Eindrücken unsere Sachen gepackt; wohlgemerkt, ohne einen Stockfisch berührt oder zu uns genommen zu haben.  Dennoch haben wir nichts vermisst.

 

Wir wollen wiederkommen, vielleicht sogar im Winter.